16.11.2011 Hannover, Faust
Frank Turner
Während sein aktuelles Album "England Kees My Bones" die englischen Top-20 erreicht (Platz 12) steigt die Aufmerksamkeit für Frank Turner auch in Deutschland deutlich an. Das Bei Chéz Heinz war schnell zu klein, deshalb wurde das Konzert in die Faust verlegt. Auch hier hängt das "Ausverkauft"-Schild am Eingang. Die Schlange ist lang, die Außentemperaturen eisig.
Dieser Frank Turner, einst Sänger der Punkband Million Deal, ist heute gewissermaßen das Idol der Herzen vieler Punkrocker (und mehr). Zwischen dem rauen Chuck Ragen und dem stellenweise schnulzig schmachtenden Brian Fellon ist – man glaub es kaum – scheinbar noch Platz für ihn.
Dass sich Sänger aller möglichen Bands früher oder später auf Solopfade bewegen ist eine Art Naturgesetz der Musiklandschaft. Ungefähr 80% von ihnen machen sich auf den Singer/Songwriter-Weg. Das führt dazu dass sie in diesem ohnehin tierisch ausgelatschten Genre zu Recht wenig Beachtung finden. Gute Beispiele gibt es wenig, Frank Turner gehört jedoch eindeutig dazu! Was in aller erster Linie an seinem Typ liegt. Man kann hier einfach weder Ausverkauf noch gesteigerte Selbstbeweihräucherung vermuten. Frank Turner ist ehrlich, regt sich authentisch über die politische Situation der Welt auf und weiß, dass er mit vielen Ansagen darüber zu langweilen droht. Das habe ihm seine Band, die Sleeping Souls, einmal im Vertrauen gesagt, erzählt er in der etwas längeren aber sehr charismatisch überbrückten Pause. Außerdem plaudert er ein "Rock'n'Roll sekret" aus: jeder Depp kann Mundharmonika spielen! Deswegen ist es nicht schlimm, dass er seine betrunken in Australien verloren hat. Hannover spielt kollektiv die "Air Harmonica" und beweist, dass es doch nicht zu "Hipster" dafür ist.
"Poetry Of The Dead" und "The Road" verschießt er gleich zu Anfang, aber auch jeder andere Song wird inbrünstig mitgesungen. Die Strophen nuscheln, den Refrain lauthals mitrufen und immer wieder zum Biertrinken absetzen. So hat das um mich herum eigentlich jede/r getan, ein Kandidat direkt an meinem Ohr besonders impulsiv. Sogar "English Curse" gibt es zu hören. Hier singt Turner ganz allein. Ohne Band, ohne Gitarre. Nur seine Stimme und "the dark of the new forrest".
Leider – für die Band – ist Frank Turner immer dann am Besten, wen er allein mit seiner Gitarre traurig ist. Diese Ehrlichkeit ist zu echt für wie vom Affen gebissen herumhumpelnde Backgroundmusiker. Musikalisch, technisch macht die Band jedoch alles richtig: Auf den Punkt und unaufdringlich im Hintergrund. Es stehen immer Song und Sänger im Mittelpunkt. Das ist auch gut so, denn nur wenige verbreiten so ein wohliges Gemeinschaftsgefühl beim Konzert wie Frank Turner. Also hoch die Tassen, das Herz in die Hand und Zusammengehören.
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