08.11.2010 Hamburg, Grosse Freiheit 36

Imperial Never Say Die! Tour

Foto

Endlich sollte es mal wieder nach Hamburg gehen, um sich einige aktuelle Größen des Genres zu Gemüte zu führen. Aus Hannover muss man da schon rechtzeitig losfahren, aber es sollte sich lohnen. Auch wenn Hannover ein großartiger Ort ist um Konzerte zu erleben, muss man für solche Events wie eben die Imperial Never Say Die!-Tour in den Norden fahren. Auf den Tickets stand was von Beginn: 18:45. Alles klar, Facebook verrät das 'We Came As Romans' auf dieser Tour bisher immer Opener waren. Die wollte natürlich keiner verpassen. Der Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad war doch beachtlich gestiegen in den letzten Monaten.

Um 18:30 Uhr an der Grossen Freiheit 36 angekommen ging es recht schnell ins Innere der immer wieder tollen Location mit Überrang.
Zum großen Ersetzen stimmten die Zeiten auf den Tickets nicht: We Came As Romans hatten schon gespielt. Mist.

Kurz nach dem eigentlichen Beginn folgten die Engländer von Your Demise. Die Spielzeit war auf knackige 20 Minuten gekürzt, sodass nach dem Aufenthalt im Fotograben nicht viel Zeit für die Band übrig blieb. Eins war aber eindeutig: Der Druck, der da von der Bühne kam, war mächtig. Mit ordentlichen und kräftigen Shouts konnte die Band einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Wenn man die Diskussionen im Vorfeld verfolgt hat, wusste man dass die nachfolgende Band zu den Highlights für das mittlerweile nahezu vollständig anwesende Publikums gehörte. Das war auch zu merken als War From A Harlots Mouth anfingen. Bei den Berliner, die bei ihrem Sound übrigens auf 5Bugs-Gitarristen Flo vertrauen, waren die einzigen deutschen Ansagen nicht alles was hängen blieb. Zwar war auch hier die Spielzeit noch sehr kurz, doch "Sänger" Nico Webers wusste, wie er die Masse vorantreibt. Kurz und kompromisslos wurde bewiesen, dass guter Deathcore nicht importiert werden muss.

Wäre das gerade alles erfunden, wüsste ich nicht wie das noch steigern sollte. Doch Emmure und die folgenden Bleeding Through nutzten ihre langsam etwas länger werdenden Spielzeiten um noch eine Schippe drauf zu legen. Beide Bands brachten das Publikum noch eine Ecke mehr in Bewegung. Besonders 'Bleeding Through' bewiesen eine monströse Bühnenpräsenz. Mit freiem Muskel-Oberkörper voller Tattoos repräsentierte der Frontmann Brandan Schieppati optisch ziemlich gut, was da auf uns zukam. Beim zweiten Song ging es schon vorne an die Wellenbrecher um aus der begeisterten Menge das Maximum rauszuholen. Kräftige Shouts, eine mittelfingerzeigende Keyboarderin und der dicke Sound hinterließen einen weiteren mächtigen Eindruck von diesem Abend.

Puh, immernoch zwei Bands auf dem Plan: 'Comeback Kid' und 'Parkway Drive'. Die etwas längere Umbaupause lies etwas Zeit um sich umzuschauen. Kurzer zurückgedacht: Vor wenigen Jahren noch war Imperial Clothing im langsamen Aufbau (Vielleicht erinnert sich ja wer an das Gewinnspiel auf Splitted.de?). Nun bringen sie die Szenegrößen auf Europa-Tour und protzen mit einem riesigen Merch-Stand auf dem Oberrang. Das ist mehr als nett und ziemlich beeindruckend.

Die Grosse Freiheit war nicht ganz ausverkauft, aber offensichtlich fehlte nicht mehr viel dazu. Bei Comeback Kid wurde ich von dieser Menge aber etwas überrascht. Eine der Gründe warum ich mir das Konzert auf jeden Fall angeguckt habe, kam wohl am schlechtesten an. Was heißt schlecht, Comeback Kid lieferten eine fette Show ab und präsentierten alle Highlights ihrer Alben. In den hinteren Rängen war aber immer wieder Langeweile zu sehen. Einem Teil des Publikums war die Band wohl zu soft. Obwohl das auf jeden Fall das falsche Wort für CBK ist, war es schon eine erfrischende Abwechslung zu den anderen Bands. In den vorderen Rängen war allerdings kein Abwärtstrend bemerkbar. Das Pit wurde immer ausgelassener und feierte die 5 Kanadier entsprechend. Um die Livequalität der Band brauchte man auch nicht diskutieren, die war prächtig, wie übrigens bei allen Bands an diesem Abend.

Im Anschluss folgte natürlich eine Umbaupause, diesmal sogar mit Line-Check für den Sound. Parkway Drive waren eindeutig Headliner! Das sah man nicht nur an dem gewechselten Backdrop hinter dem Schlagzeuger, sondern auch an der Aufmerksamkeit in der Halle.
Als die Australier loslegten war in der Halle kein Halten mehr. Die Fäuste wurden schneller, das Pit größer und imposanter und es wurde eigentlich alles mitgesungen und geschrieen, was irgendwie ging. Drei fette Alben hat die Band um Winston McCall nun rausgebracht. Deep Blue ist auch schon lang genug auf dem Markt um sich in die Köpfe der Fans eingebrannt zu haben. Die für meinen Geschmack etwas leisen Gitarren fielen wohl nicht auf, da die Songs in den Köpfen mitliefen. Mindestens drei Dinge werden wohl jedem im Kopf geblieben sein. Die Schlagwörter sind Palmen, Schlauchboot und Football. Ein kurze Pause in der Mitte wurde genutzt, um die Bühne abzudunkeln, die Banner zu tauschen und Palmen aufzustellen. Sehr sympathisch und witzig. Es folgte passend dazu ein Schlauchboot, auf dem ein auserwählter Stagediver aus dem Pit durch die Halle getragen werden durfte. Genug Eindrücke von "Das Boot from Australia" sollte es bei YouTube geben. Es folgte "Romance Is Dead", wohl einer der präsentesten Songs von PWD. Ich sag nur "So Cry Me A Fucking River Bitch", und das von wohl allen Anwesenden geschrieen. Beeindruckend!

Irgendwann im Laufe des Sets kam auch noch ein Football ins Spiel. Bevor dieser ins Pit geworfen wurde gab es nur die Ansage "Wer den zum Merch bringt, kriegt 50 Euro". Ob der da angekommen ist, weiß ich nicht. Die Schlacht darum war auf jeden Fall nicht ohne.
Eines noch zur Show von Parkway Drive: Carrion! Nach dem Gitarrenintro schrie die ganze Halle dermaßen brachial "Carrion", dass der Boden bebte. Selbst der Frontmann konnte das nicht glauben, gab eine Zeile zum Besten und hielt das Mikrofon dann in Richtung Pit und grinste nur noch ungläubig. Das sollte wohl alles sagen.

Fazit? Gerne wieder. Wenn man liest, dass ein Teil der Shows restlos ausverkauft ist, sollte auf einen Nachfolger im nächsten Jahr zu hoffen sein.

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