20.01.2010 Hannover, Stumpf

Kotzreiz, CN Roundhouse Kick

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Mit einem Rucksack voller Ironie und einer Tasche Masochismusmachten wir uns auf den eisigen Weg zum Kotzreiz-Konzert. Es hätte in Hannover wohl keine bessere Location als den kellerigsten, pfundigsten und - ich untertreibe wenn ich sage - ranzigsten Club der Stadt: das Stumpf. Das nette und bemühte Personal hinter der Theke und in der Organisation haben mit einem Laden zu wirtschaften, der ihnen sicherlich einiges an Improvisation abverlangt. Zum Glück ist das Stumf selten gut beleuchtet.

Eröffnet hatte weit vor unserem erscheinen ein Spezial Guest, deren Namen nie gefallen zu sein scheint. Als zweite Band lieferten CN Roundhouse Kick (in dem Teil des Sets den ich sah) eine passable Punk-Hardcore Performance ab. Die Band bemühte sich das Publikum in Bewegung zu versetzen. So begab sich der Sänger immer wieder vor die Bühne und brachte so den Aufwärmtanz in Schwung. Ansonsten habe ich wenig von der Band mitbekommen.

Klar, waren alle wegen Kotzreiz hier. Ich würde mehr von Schaulustigen als von aufrichtigen Fans sprechen, die dieses Feuerwerk der Übertreibung und Protzigkeit bestaunen wollten. So auch wir und der Weg durch die kalte Hannoveraner Nacht hat sich gelohnt. Vom ersten Song ("Ich hab Karies") über Hits wie "Saufen" bis hin zu "Berlin" war das Publikum voll dabei und feierte ordentlich. "Berlin" funktioniert auch mit Hannover, wenn es auch nicht so wirklich in die Metrik passt. Egal, ist Punkrock. Überhaupt war dies das allem übergeordnete Kredo des Abends. Nicht so ekelhaft wie die Kassierer, weniger politisch als Wizo, aber irgendwie doch zwischen diesen Bands bewegen sich Kotzereiz. Punkrock von der Straße, mit Nieten auf der Lederjacke und Dosenbier in der Hand. Die Tatsache, dass die Jungs von Kotzerig auch in anderen Projekten ihr zumindest sehr solides, musikalisches Verständnis beweisen bestätigt das Ganze. Die 3 wissen was sie hier tun und was von ihnen erwartet wird.

Die Bassdrum wurde charmant von einem Bauzaunbrückenstein vor dem Wegrutschen bewahrt, was sinnbildlich für den Sound war. Rustikal und gut gemeint. Wie das so ist, wenn nur Gesang und wenig Schlagzeug über die Anlage laufen, konnte man stellenweise wenig differenziert zuhören. Immerhin war der Gesang laut genug, dass man ihn verstehen und mitgröhlen konnte.

Ein besonders klischéhaftes Konzert bei dem es sich empfiehlt den Song "Saufen" beim Wort zu nehmen ging dann nach einer guten halben Stunde doch schneller zu Ende als erwartet. Schreit man als Punker nach Zugabe? Oder ist das zu viel Heldentum… Gedanken aus, Feierlaune an: Zugaberufen! Und so kamen sie dann auch noch einmal zurück, spielten bezeichnender Weise ein weiteres mal "Saufen". Nicht erst jetzt war ich froh, mich immer wieder aus meinem Rucksack bedienen zu können.

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Portfoliopool
Sun Day Sun: Far From Finished

Autor:

Michael Breuninger

Mehr über Kotzreiz

http://www.myspace.com/kotzreizberlin


Mehr über CN Roundhouse Kick

http://www.myspace.com/cnroundhousekick