27.11.2009 Hildesheim, Vier Linden

Therapy, Ricky Warwick

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Die großen Tage von THERAPY? sind unwiederbringlich vorbei. Eine der besten Alternative-Rockbands der 1990er Jahre ist unlängst wieder auf den kleinen Bühnen zu Hause, was nicht immer an ihrer Musik liegt, wohl aber an ihrer Starrköpfigkeit und ihrem Pech im Umgang mit Plattenfirmen. Egal. Die Nordiren scheren sich nicht drum, und das ist auch gut so.

Pünktlich um 20:00 Uhr beginnt Ricky Warwick sein Programm. Die tätowierte Kreuzung aus Johnny Cash und James Dean betritt bekleidet mit einem kurzärmeligen Flanellhemd und mit einer Akkustik-Gitarre bewaffnet die Bühne des Vier Linden vor rund 150 Zuschauern, die zuerst von der Theke in die Mitte der Tanzfläche positioniert werden müssen. Grölend und mit der Verwendung von vier Akkorden spult dieser sein Einmannprogramm runter, covert nebenbei mal MOTÖRHEADs „Ace of Spades“ und IRON MAIDENs „Running free“ sowie CASHs „Ring of Fire“. Dazwischen positioniert er Eigenkompositionen, die zum Nicken führen, jedoch nicht zu Begeisterungsstürmen. Dazu ist der Herr aus Belfast zu limitiert. Ohnehin warten alle nur auf THERAPY?.

Diejenigen, die an diesem regnerischen Tag den Weg ins Vier Linden gefunden haben, kennen THERAPY? aus besseren Zeiten, haben im Jugendclub zu „Screamager“ gepogt und mit der ersten Freundin geknutscht, als im Hintergrund das schöne, aber textlich unpassende „Diane“ lief. I think I better kill you and rape you instead. Also Willkommen zur Ü30-Party! THERAPY?, seit einigen Jahren wieder zum Trio geschrumpft, beginnen mit „Isolation“ von „Troublegum“, jenem genialen und nie wieder neufabrizierten Album aus dem Jahre 1994. Kurz danach schieben sie „Turn“ hinterher, ebenso „Stories“. Schnell wird klar: der Sound ist gruselig, Transparenz geht der Live-Show vollkommen abhanden. Dafür drückt einen der Bass von Michael McKeegan geradezu an die Wand. Andrew J. Cairns verarbeitet nahezu alle möglichen Effektspielereien auf seiner Gitarre. Und Neil Coopers Schlagzeug ist ploppig wie das von Fyfe zu „Nurse“-Zeiten vor gut 20 Jahren.

Die Mittvierziger haben Spaß auf der Bühne, hüpfen wie eh und je und präsentieren Songs aus ihrer ganzen Schaffenszeit, etwa „Church of Noise“, „Sister“, „Screamager“ und „Rain hits Concrete“. Die Stimmung überträgt sich auf die nun gut 250 Besucher, die allerdings vor allen Dingen sehnsüchtig auf die Hits ihrer vergangenen Jugend warten. Doch THERAPY? haben mit „Crooked timber“ ein gutes neues Album im Gepäck, das vorgestellt werden will, so z.B. großartige Songs wie „Exile“ oder das Titelstück, sich jedoch mit seinen vertrackten und verspielten Elementen nicht sofort in den Köpfen festsetzt. Wer die Songs nicht kennt, dem schallt ein großer Brei entgegen, sodass zwischenzeitlich etwas Ruhe einkehrt. Das ändert sich gegen Ende des regulären Sets und bei den zahlreichen Zugaben. „Potato Junkie“, „Knives“, „Die Laughing“, „Teethgrinder“, „Diane“ (aufgrund des nicht mehr vorhandenen Cellos in einer Punkversion vorgetragen, die eher an das Original von HÜSKER DÜ erinnert) und das abschließende „Nowhere“ befriedigen die Fans, führen zu letzten Tanzeinlagen und vertrösten über den Sound hinweg.

Auf dem Nachhauseweg bedanken sich die alten Fans innerlich für einen schönen Abend; Mitgereiste, die mit THERAPY? bisher nichts oder wenig zu tun hatten, können den Stellenwert von THERAPY? jedoch nach dieser Darbietung nicht verstehen.

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