18.06.2009 Hannover, Musikzentrum

All That Remains, Distance In Embrace, And Still I Bleed

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Wenn Bands aus dem Hardcore-Metal-Bereich mehr oder weniger plötzlich zu Superstars werden hat man doch ein gesondertes Auge auf sie. Eine Szene, in der Respekt und Gleichberechtigung eine Maxime ist, will ja schließlich keine arroganten Pseudos mit Allüren gebären. Ob es dieses Extrem trifft will ich noch nicht beantworten und vorn beginnen...

Ein lauer Sommerabend im mau gefüllten Musikzentrum. Zumindest sah es anfänglich so aus. Als AND STILL I BLEED aus Alfeld die ersten Töne anschlugen zog es jedoch einige Leute herein, sodass sie doch vor einem - für die erste von 2 Vorbands - passabel gefüllten Raum spielten. Als erstes ein neuer Song, zumindest keiner von "Dying Passion", dem Debut von 2007, das hat funktioniert. Die 5 Mit- bis Endezwanziger präsentieren ihren gewohnt energiegeladenen Mix aus Moshparts, harten Gitarren und Cleanvocals. Hauptaugenmerk liegt hier vor allem auf dem Zusammenspiel (in Musik und Show) von Shouter Jasper und Sänger Tillmann. Neu scheint, dass Jasper immer öfter auch eine 2. Gesangslinie ergänzt. Gute Entscheidung zugunsten der Gesangsstimmung, ansonsten schleichen sich auch immer mehr (verhältnismäßig) softe Parts in die neuen Songs ein. Logisch, dass die Songs der Platte beim Publikum auf Grund ihrer Bekanntheit besser ankamen, als die neuen (oder alten aber unveröffentlichten). Ansonsten war das Publikum der Band wohl nicht zum 1. Mal gefolgt (mit gut 50 km Fahrt kann man auch als lokale Band durchgehen). Entsprechend war zu beobachten, dass wenige von den bei ASIB feiernden Leuten später noch bei ALL THAT REMAINS vorne dabei waren. So überschaubar war es dann doch. Fazit ist und bleibt, dass AND STILL I BLEED es wie wenige Bands diesen Bekanntheitsgrads verstehen das Publikum zu aktivieren. Eine nicht zu unterschätzende Stärke!

Nach einer recht kurzen Umbaupause folgten dann DISTANCE IN EMBRACE aus Hannover/Minden. Auch diese Band hat man in der Vergangenheit nicht selten in dieser Gegend gesehen. Den dadurch erspielten Status haben sie heute wieder bestätigt. Eine technische Band. Party und Mitklatschen wird hier nicht eingefordert wie noch eine halbe Stunde vorher, entsprechend verhalten ist das Publikum anfangs auch. Es dauert einige Songs, bis es voll und ganz auftaut und sich der Moshpit mit dem von AND STILL I BLEED messen kann. Aber irgendwie anders: weniger mit der Band zusammen, eher zur Musik der Band. DISTANCE IN EMBRACE sind gewohnt gut; man merkt ihnen die Erfahrung der verschiedensten Touren zu den vergangenen 3 Alben an. Wenig Unterschied machen jedoch die Songs der Platten. Insgesamt klingt das alles sehr einheitlich, aber durchgehend auf hohem technischem Niveau. Außerdem versprühen diese Jungs eine angenehme Art der Gelassenheit mit der sie diese Band leben, dass es fast so erfrischend ist, wie das verdiente Alster auf dem Hof nach dieser Show.

Das genaue Gegenteil erleben wir jetzt: ALL THAT REMAINS lassen wirklich lange auf sich warten. Der Auftritt beginnt und gleich wird klar in welche Richtung es heute geht: Posing! An aller erster Stelle sei gesagt, dass ALL THAT REMAINS fast alle von mir bisher gesehenen Bands in Tightness (vorallem des Schlagzeuger) und Punktgenauigkeit in den Schatten stellen. Ein Unglaubliches Uhrwerk, dieser Jason Costa. Aber auch der Rest der Band lässt nichts anbrennen. Dafür ist das, was die Band neben ihren Songs abliefert irgendwie befremdlich. Ein Gitarrist, der sich alle paar Songs vom Roadie einen Slash-Hut aufsetzen lässt und ein Sänger, der sich nicht selten für seinen puren Whiskeykonsum auf der Bühne feiern lässt und sich auch mit seinem bis über die Augen gezogenen Cap für reichlich Rock'n Roll hält sind einfach nur unangenehm. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich mal für eine Chartband dieser Klasse so "fremdschämen" muss. Über soetwas überhaupt zu berichten mag unsachlich sein, war aber nicht zu übersehen. Darüber, dass die Securities jeden Stagediver sofort von der Bühne geschmissen haben wundert man sich ja schon fast nicht mehr. Das Musikzentrum jedenfalls war pünktlich zur Umbaupause letztendlich doch gut gefüllt mit Menschen, die wegen ALL THAT REMAINS hier waren und diese auch gehörig feierten. Inklusive energischer Zugabeforderungen denen nicht stattgegeben wurde. Auch das war nicht überraschend nach dieser Show. Schade, dass ein wahrscheinlich berechtigter 16. Platz in den Billboardcharts dieser Band so zu Kopf steigt.

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Autor:

Michael Breuninger