SCYTHE (Feuerland Spiele)

„Die Asche des ersten Großen Krieges schwärzt noch den Schnee im Europa der 1920er Jahre. Der kapitalistische Stadtstaat, bekannt als „Die Fabrik“, den den Krieg mit gepanzerten Mechs anfeuerte, hat seine Pforten geschlossen – und damit die Aufmerksamkeit einiger Nachbarländer auf sich gezogen. Anführer aus 5 Nationen treffen auf einem kleinen, aber sehr begehrten Stück Land aufeinander, wer verdient sich seine Lorbeeren, indem er seine Nation als Führer Osteuropas etabliert?“

 

Endlich mal wieder eine Rezension zu einem Gesellschaftsspiel. Mit SCYTHE haben wir es mit einem Spiel zu tun, das mit seinem Preis von ca. 80.- Euro zunächst vielleicht abschrecken mag, aber lasst euch gleich vorab gesagt sein: Das Ding ist jeden Cent wert! Selten habe ich eine so wertige Aufmachung bei einem Spiel erlebt, angefangen beim Umfang, über die optische Gestaltung bis hin zu so schlauen Überlegungen wie Einbuchtungen im Spieler-Tableau, damit die Spielsteine nicht verrutschen!

Ihr übernehmt die Rolle eines der 5 Nationenoberhäupter und müsst durch geschickte Kombination von Aktionen und strategisches Handeln euren Einfluss und euer Vermögen mehren. Dabei sammelt ihr durch das Erfüllen bestimmter Aufgaben Siegpunkte, die zwar das Ende des Spiels einläuten, nicht aber definieren, wer am Schluss der tatsächliche Sieger ist. Dabei hat jede Nation ihre ganz bestimmte Sonderfertigkeit, die es im Spiel ideal einzusetzen gilt. Durch abweichende Kosten und Nutzen der einzelnen Aktionen für die unterschiedlichen Nationen entstehen automatisch unterschiedliche Herangehensweisen, wie ihr den Sieg anstrebt. Das Ballancing hierbei ist absolut ausgewogen, und ihr habt mehrfach die Möglichkeit, durch neue Nationen das Spiel aus einer gänzlich anderen Perspektive zu erleben.

Es dauert eine Weile, bis ihr euch durch die umfangreiche Anleitung gelesen habt, und bis ihr letztlich verstanden habt, welche Effekte von Vorteil für euch sind und wie ihr optimal vorgeht, bedarf es einer gewissen Einarbeitungszeit. Unsere erste Test-Runde verlief von daher eher nach dem Motto „Ich mach das jetzt mal, weil ich es gerade kann, was mir das letztlich bringt, werde ich hinterher sehen.“ Aber nach dieser Einarbeitung entfaltet das Spiel seine ganz eigene Magie.

 

 

 

 

 

 

Positiv hervorheben möchte ich, dass schon im Vorfeld daran gedacht wurde, Platz für zusätzliche Erweiterungen zu lassen (dann zum Beispiel mit bis zu 7 Spielern). Hätte man das auch gleich mit einbringen können? Vielleicht, aber dann wäre der Preis vermutlich noch höher gewesen…

Für ein Spiel, das ein Eroberungs-Setting suggeriert, wird hier übrigens erstaunlich wenig gekämpft, selbst die Mechs dienen hier häufiger als Transportmittel denn als Kriegsmaschine.

Irgendwo zwischen „Die Siedler von Catan“ und „Risiko“ angesiedelt, macht SCYTHE seine Sache insgesamt ordentlich. Die angegebene Spieldauer von knapp zwei Stunden konnten wir indes nicht bestätigen, was aber auch an unserer Spielrunde liegen könnte. Ihr solltet also zur Sicherheit deutlich mehr Zeit einplanen, vor allem für das erste Spiel, wo noch viel nachgelesen und überdacht werden will. Habt ihr dann aber die Spielmechanik verstanden, geht alles etwas flotter vonstatten und ihr habt auch schon einen gewissen Plan, den ihr verfolgt.

SCYTHE ist ganz klar ein Spiel, das sich auf Vielspieler/Spieleprofis konzentriert, als „Familienspiel“ ist der Titel eher weniger tauglich. Aber diese Zielgruppe wird mit dem Spiel sehr viel Freude haben, nicht zuletzt wegen der eingangs erwähnten hochwertigen Aufmachung.

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