October Tide – Winged Waltz (Agonia Records)

Winged Waltz Cover Puh. Damit konnte ja keiner rechnen, oder doch? Also klar war jedenfalls, dass October Tide wissen, was sie tun. Aber dass einen Winged Waltz nach einem ersten Durchlauf wie versteinert auf dem Sofa zurücklässt. So als sei gerade ein tausende Tonnen schwerer Güterzug durchs Wohnzimmer gerast. Alles in Schutt und Asche legt und lediglich der eigene Sitzplatz unversehrt zurückbleibt. Das glaubt einem auch keine Sau, wenn man davon berichtet. Gespannt bin ich, ob ihr mir glaubt, was ich über Winged Waltz zu berichten habe. Letzten Endes ist aber auch das egal, denn ich weiß ja, was ich gehört habe!

Ich habe einen Auftrag für Euch. Das Album heißt Winged Waltz, die zugehörige Band October Tide. Das Teil solltet Ihr Euch dringend zulegen, wenn Ihr auf Metal steht, der noch nachklingt, wenn die Scheibe schon längst zu Ende ist.

Warum kennt fast niemand diese Band?

Auch ich muss zugeben, die fünf Schweden mit Ihrer Band sind mir auch lange unbekannt gewesen. Es muss irgendeine wilde Youtube-Session gewesen sein, bei der ich auf October Tide aufmerksam geworden bin. DSC_5011In jedem Fall freue ich mich tatsächlich bis heute, dass mir das passiert ist. Melodic Doom Death Metal allerfeinster Machart, der das gesamte Repertoire ausnutzt, progressive Elemente mitbringt und einfach nur bewegt. Richtig gelesen, die Mucke von October Tide bewegt und berührt mich und kommt ganz dicht an diese My Dying Bride-Momente heran, in denen man emotional einfach nur verwirrt ist. Musik, die es schafft, die eigene Gemütslage in ihren Grundfesten zu erschüttern und October Tide schaffen das mit Ihrer neuen Scheibe wieder und wieder – und wieder.

Vergleiche, die nicht passen wollen

Seit 1994 gibt es den Stockholmer-Fünfer übrigens, hervorgegangen aus dem Dunstkreis von Katatonia. Überlebt hat dieses Seitenprojekt allerdings nur bis 1999, um zehn (!) Jahre später noch einmal in Angriff genommen zu werden – und das mit dem Album A Thin Shell stärker als je zuvor.
Zurück zu Winged Waltz. Gut ist es ja immer, wenn der Leser weiß, mit was man die Musik vergleichen kann. Ein Review ist ja gerade dazu da, dass der Leser eben keine Katz im Sack kauft. Kurz und schmerzlos. Katatonia (in schnell), In Mourning (aber dunkler), Insomnium (jedoch tiefer), Ghost Brigade (weniger finnisch), Draconian (männlicher), Swallow the Sun (trifft es am ehesten, oder?). Und doch! Das alles passt nicht. Es sind Elemente, die man mal hier und mal da gehört hat, das eine Riff erinnert an die eine Band, das nächste geht wieder in eine völlig andere Richtung und wird jäh unterbrochen von einem progressiven Gitarrenspiel, das so überhaupt nicht in eine Schublade zu stecken ist. Genau deshalb kann ich auch keinen einzelnen Song als Highlight hervorheben. Das wäre den übrigen sieben Songs gegenüber mehr als ungerecht. Vielmehr ist Winged Waltz eine superangenehme Mischung aus den oben genannten und noch mehr Bands. Mich überzeugt das neue Album von vorne bis hinten und ist – oh Überraschung – bislang das stärkste Album dieses Genres in 2016. Von mir gibt es daher uneingeschränkt die Daumen gehoben und lasse das Album einfach noch einmal durchlaufen, weil es so schön ist.
Ach und bevor ich es vergesse, die Bengels spielen gerade einige Gigs in Osteuropa, sind aber auch immer mal wieder auch in Deutschland unterwegs. So kann man October Tide beispielsweise im September 2016 in einigen deutschen Städten (Rostock, Lugau, Berlin, Hamburg und Bitterfeld) live erleben.

Scheibeninfos:
Band: October Tide
Titel: Winged aWaltz
Label: Agonia Records
Releasedate: 22. April 2016

Trackliste:
1. Swarm (7:22)
2. Sleepless Sun (6:20)
3. Reckless Abandon (6:46)
4. A Question Ignite (5:21)
5. Nursed by the Cold (4:41)
6. Lost in Rapture (5:54)
7. Perilous (6:45)
8. Coffins of November (8:37)
Gesamtspielzeit: 51:46

Homepage: www.octobertide.net (könnte mal wieder ein Update vertragen)
Facebook:www.facebook.com/octobertideband

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