Interview mit Smile And Burn

Smile And Burn BandfotoSmile And Burn machten auf ihrer kurzen Tour mit KMPFSPRT auch Halt in Hannover. Nach einem „Powerset“ trafen wir Philip und Sören im Heizungskeller (aka Backstage) des Lux’ – begleitet von drückender Hitze und den Klängen von KMPFSPRTS Auftritt. 

Splitted.de: Schön, dass ihr da seid. Schönes Konzert. Ihr habt eine ereignisreiche Woche hinter euch. Wie war es für euch mit Boysetsfire zu spielen? Sind das Helden für euch?

Phillip: Für mich irgendwie gar nicht.

Sören: Ich muss gestehen, dass niemand von uns Boysetsfire vorher intensiv gehört hat. Wir kannten sie natürlich, klar, wir haben die Hits gehört. So richtig geflashed haben sie mich aber erst, als ich sie dann live gesehen habe. Das ist echt unglaublich! Eigentlich peinlich, dass wir da so hinterher hinken.

Philip: Wir haben auf jeden Fall schon oft völlig besoffen zu ihren Songs im Club getanzt.

S: Oh ja!

P: Im Ernst… Es ist ein Traum, dass sie uns eingeladen haben! Da sachste nicht nein… Aber es stand eben vorher nicht auf unserer Kindheits-Traum-Liste.

S: Vor allem bei diesen Shows. Riesen Respekt an die, die sich dieses 3-Nächte-3-Alben-Konzept ausgedacht haben.

Euer neues Album heißt „Action Action“. Um welche Action geht’s euch? Es wird ja wohl keine plumpe Aufforderung zum Tanzen sein…

P: Du kannst das so schön umschreiben, Sören…

S: Je öfter ich das beschreiben muss, desto schwerer fällt’s mir…

P: …desto alberner wird’s! 

S: Es ist natürlich keine schnöde Partyansage. Der Titel ist eher strategisch gewählt. Wir hatten sonst immer so traurige und vor allem lange Titel. Sehr poetisch, vielleicht über-poetisch. Wir wollten dem jetzt kein Mallorca-Deutsch entgegensetzen, aber lauter werden. Wir hatten früher schon immer den dummen Spruch: „Action! Action! Action! Action!“, aber das wäre ja wieder zu lang gewesen. Jetzt ist es poppig, eine Kampfansage und fühlt sich gut an. Den tieferen Sinn legt man dann hinterher dazu.

Vom Titel zum Cover… Was sagen eure Eltern zu diesem Motiv?

S: Wir haben ja eine Vernissage extra für’s Artwork gemacht und da sind dann tatsächlich fast alle Eltern hingekommen. Ich glaube alle waren begeistert. Meine waren eher vor den Kopf gestoßen. Perflex und verwirrt. Die mussten dann auch überraschender Weise ziemlich schnell wieder gehen. Ich glaub sie fanden es nicht geil… Ich fand es von Anfang an sehr künstlerisch, das ist doch offensichtlich.

P: Diese Fotoserie ist ursprünglich aus einem Spaß entstanden. Eigentlich stand das Cover lange fest – konzeptionell – aber dann kam auf einmal diese Idee mit Max. Nackt. Und als wir uns entschlossen haben das zu machen, war klar, dass es dazu auch eine Vernissage geben muss. Wenn schon, denn schon!

Waren da tatsächlich Kunstliebhaber, die allein das Wort „Vernissage“ gelockt hat?

S: Klar, gab gratis Sekt!

P: Es gab tatsächlich solche Leute. Ich habe von einem gehört, der genau deswegen da war und die Band auch gar nicht kannte. Auch ein Kunstprofessor war da, kannte keinen und hat ein Bild gekauft. 

S: Das war n Professor, der muss Ahnung haben!

P: Ich frage mich schon, ob wir dem vor den Kopf gestoßen haben…

S: Es kamen zwar keine reichen Zehlendorfer „Mona Lisa“-Käufer, halt eher so Underground-Friedrichshain-Hipster-Shit, aber es war ja schon ne richtige Vernissage, keine getarnte Punkrock-Party. 

P: Und es war rappel voll. Wir hatten mit ein bisschen Laufpublikum gerechnet, aber zwischenzeitlich konnte man tatsächlich nicht mehr reingehen…

Smile And Burn Action ActionWarum seid ihr nicht selbst nackt auf dem Cover?

P: Es liegt an Max, der passt da einfach am besten rein. Wir sind zwar alle irgendwie tatoowierte Typen, aber Max ist einfach DER Typ dafür! Mit seinem Bart, den Flusen, seinem Blick, dem halb-durchtrainierten Körper… 

S: Wenn wir selbst nackt auf dem Cover gewesen wären, wär’s zu viel 90er Collage-Punkrock. Stichwort Blink oder so.

Warum war niemand auf der Vernissage nackt?

S: Max hatte einen nackten Oberkörper. Wir wollten das eigentlich machen, aber…

…bei der Releaseshow hab ich wieder drauf gehofft…

P: Bei der Releaseshow sollte eigentlich beim Schlussakkord hinter dem Schlagzeug die Couch mit dem nackten Max hochfahren. Das ist leider aus Budgetgründen ausgefallen.

S: Nächste Mal stürzen wir uns in diese Kosten!

Ihr habt für „Action Action“ das erste mal mit einem Produzenten gearbeitet. Wie kam das? Warum erst beim dritten Album…

S: In aller erster Linie wegen des Sounds. Wir waren mit den anderen Alben schon zufrieden, aber nachdem wir beim zweiten Album alles selbst gemacht haben, wollten wir auch einfach was Neues ausprobieren. 

P: Auch das war anfangs gar nicht so geplant. Als unser Management vorgeschlagen hat bei Olman Viper aufzunehmen, war von Arrangieren noch gar nicht die Rede. Es ist dann einfach so entstanden. Unkalkuliert.

S: Da is man als Punker natürlich erstmal kritisch: igit, da quatsch mir wer in mein Gitarrenriffs rein!

P: …und dann steht da „Produzent“ auf dem Album.

S: Aber wenn dir jemand vorschlägt etwas anders zu spielen und auf einmal knallt es und alle grinsen, dann macht das schon Sinn.

P: Es haben sich über die Jahre einfach auch sau viele Fehlerquellen eingeschlichen, die so einfach mal aufgefallen sind und nun behoben wurden. So ganz banale, aber grundlegende Sachen: Herangehensweise ans Songwriting, das Zusammenspiel untereinander sein. Oder auch einfach simpler zu denken. Weniger Parts aneinander reihen, mehr zusammenhängend arrangieren. Also mehr Platz für mich und meine Stimme (lacht).

Im Studio habt ihr auch so ruhige Songs wie z.B. „Stay Awhile, Stay Forever“ gespielt, die in ziemlichem Kontrast zu eurem Konzert-Gefühl stehen…

P: Bei der Releaseshow haben wir „Dark blue grey“ gespielt. Das hat im Proberaum einen ganz anderen Vibe. Live langweilen wir uns fast ein bisschen beim Spielen. Das ist was ganz Neues für uns. Wir geben normaler weise nur auf die Fresse… aber es macht auch Spaß mal mehr Melodien auszuloten. „Stay Awhile, Stay Forever“ war mal fast nur elektronisch, das haben wir dann in den Proberaum übersetzt. Wenn wir in Zukunft mal längere Sets spielen, finden sie auch ihren Platz. Es gibt eben diese Höhen und Tiefen.

Mit dem neuen Album seid ihr plötzlich auf hippen Blogs wie Amy&Pink, auf seriösen Portalen wie sueddeutsche.de, auf facebook war die Rede von den Campus-Charts…Was sagt man zu den fast reflexartigen Sellout-Rufen, die jeder Punkrocker im Nacken spürt, wenn man es ernster mit der Musik meint?

S: Man wird schon verkrampft beim Posts formulieren, wenn man die Leute dazu bringen will, bei Amazon Geld auszugeben. Aber im Endeffekt will man halt, dass die Leute die Musik hören. Und Amy&Pink sind nette Leute, die haben super interessanten Inhalt. Ich sehe keine Grund, warum man nicht mit denen unser Album anpreisen sollte.

P: Der Titeltrack beschäftigt sich genau damit. Ich mach seit 15 Jahren Musik, es war immer Punk, ich hör auch immer noch Punk, die Philosophie is noch da, aber man möchte sich musikalisch auch mal weiterentwickeln. Irgendwann kommt man zu dem Gefühl, das ganze Punkrock-Vokabular ausgeschöpft zu haben. Und dann passieren eben andere Nummern. Wir hören Katy Perry genauso gern wie Dirt-Punk. Wir hören halt gern Musik.

S: Man muss auch sagen, dass das mit dem Sell-Out in keinster Weise stimmt. Wir geben mehr Interviews, ja, aber für die Musik. Wir machen das, weil wir es lieben, verschulden uns damit über allem Maße… Ich weiß, man darf nicht davon reden, dass Punkrock Arbeit ist, aber…

P: …es ist verdammt noch mal Arbeit!

S: Wir stürzen uns damit in finanzielle und persönliche Risiken, weil wir es einfach jeil finden. Klar, man macht sich Gedanken, warum Leute Sell-Out rufen, aber das ist einfach gelogen.

Aber Interviews bitte nur in dekadenten Hotelzimmern…

P: Wie hier gerade! :)

Stichwort Punkrock ist Arbeit. Was nervt den so richtig von dem, was ihr im Zuge eurer Veröffentlichung über euch ergehen lassen musst? Außer Interviews… Dinge, die einfach dazugehören…

P: „Die haben euch auf dem Schirm“, „Die feiern das ab“, „Ja, die melden sich“, „Die haben das Foto geliked, die haben euch auf dem Schirm“

Smile And Burn Expectations

Diese „Assholes On Parade“?

S: Ja, das Schlimmste ist diese brachiale Unehrlichkeit und Leidenschaftslosigkeit in der Musikbranche. Die Leute kommen zu dir, sagen dir, dass es der geilste Scheiß ist und gehen dann einfach nicht mehr ans Telefon. Und es ist egal, ob es Punkrock oder Hiphop ist. Die Leute sind tatsächlich so scheiße. Da packst du dir an den Kopf. Ist ja auch nicht so, dass jemand mal sagt „oh, ne, das Eisen is mir zu heiß…“

P: Das wär ja mal was… Das Klisché trifft zu. Es ist ein Prestige-Job. Die Leute lassen sich auf Gästelisten schreiben, hängen mit dem und mit dem ab, kennen die und die Leute und im Endeffekt sind sie zu dumm, sich den eigenen Arsch abzuwischen…

S: Man könnte sagen: Die haben alle gegenseitig so tief die Zungen im Arsch, dass sie sich den Arsch nicht mehr abwischen können. Wir haben daraus gelernt, dass man darauf achten muss, mit Leuten zu tun zu haben, die wirklich geil sind.

P …und aufpassen, dass man nicht zynisch wird. Wenn dann jemand wirklich mal Interesse hat, sollte man den ja nu auch nicht abwatschen.

S: „Jaja, Boysetsfire haben gefragt ob wir sie supporten wollen… jaja, natürlich – lösch die Mail!“ (lacht)

Wie steht’s um den Punkrock in diesem Land?

P: Grad ist deutschsprachiger Punkroch angesagt. Das bricht uns natürlich grad das Genick. (lacht) Marathonmann, KMPFSPRT… Gute Bands, die schon Innovation in den Punkrock bringen. 

S: Was den englisch-sprachigen Punkrock angeht… da gibt’s coole Bands wie uns, oder Idle Class, aber dann wird es düster. (lacht)

P: Das ist einfach der Markt grad… ich glaube Punkrock auf Englisch hat es einfach schwer grad. 

S: Deshalb munkelt auch die Szene, die Beatsteaks wären kleiner geworden. 

P: Die Szene redet über die Beatsteaks? Das ist doch Weltmusik… völlig zu Recht übrigens.

S: Ich hab das gehört… is natürlich Quatsch, machen ja die selben Riesenhallen voll…

P: is halt einfach ne fucking geile Band, wir werden bald wieder von ihnen klauen. Und von dieser Country Band… den Truckers. Ich meine Truckstop! (alle lachen)

Schnelle Runde… Ärzte oder Hosen?

S+P: Ärzte!

Slayer oder Metallica?

S: Metallica! Slayer! ääääh: AC/DC!

P: Ok, für Wolli: Metallica!

Bier oder Schnaps?

S+P: Bier!

Festival oder Club?

S: SELLOUT: Festival!

Pogo oder Kopfnicken?

P: Also bei NOFX im Pit haben wir mal richtig ausgeteilt, ansonsten Kopfnicken!

Digital oder analog?

S: Immer nur Digital! Ja, wir sind digital… Nagut, Wolli hört zu Hause nur Vinyl, unterwegs, wie wir alle: Spotify.

P: Ich weiß noch, wie ihr gejubelt habt, als Spotify aufkam: Das ist die größte Erfindung seit der MP3… und ich saß da mit meinen geklauten mp3s: So n Quatsch, das ist ja voll unehrlich…

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